Andeutungen

Gedichte aus 25 Jahren

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Ausschnitte aus Andeutungen

Andeutungen

Ich sehe mich an.
Ich sehe mir nach.
Ich sehe mich vor.

Ich gehe mir nach.
Ich gehe mich an.
Ich falle mich an.
Ich falle hin.

Ich stehe mir nach.
Ich stehe mir vor.
Ich stoße mich an.
Ich stoße mich ab.

Ich stelle mir nach.
Ich stelle mich bloß.
Ich stelle mir vor.

Ich verspreche mir.
Ich verspreche mich.

05.86

Zuruf

Ich hoffe auf Fragen
als Antwort auf die
fragwürdigen Antworten
der nicht mehr Fragenden.

23.12.84

Kostspielig

Die Pächter der Wahrheit sind
zahlreich und kommen überall her.

Die Pächter der Wahrheit hören
nicht zu, aber lehren beständig.

Die Pächter der Wahrheit bezahlen das
heimlich verdrängte, selbstsüchtige Ich.

Die Pächter der Wahrheit leugnen es,
sagen, es ginge ja nur um die Wahrheit.

Die Pächter der Wahrheit bezahlen
ohne Erkennen mit Wahrheit.

Die Pächter der Wahrheit
sind Lügner geworden.

Der Ursprung der Wahrheit
hüllt sich zu allem in Schweigen.

Die Pächter der Wahrheit sind
steinreich und sie amüsieren sich.

29.5.88

Autobahnstau

Das ist sie - unsre Geschichte:
Unvorstellbare Pferdestärken
scharren rastlos unter der Haube
auf endlos geebneten Straßen,
aber insgesamt kommen wir
gar nicht vom Fleck.

20.1.09

Ausweg

Die Zeit hat
keinen Saum.
An ihrer Fläche
reibt sich Musik,
raut sie auf,
bürstet sie
gegen den Strich,
bis schließlich
ein kleines Loch
gefühlter Ewigkeit
erscheint.

Dann schlüpfe ich
heimlich hindurch,
und entdecke eine
atemberaubende,
strahlende Welt
auf der anderen
Seite der Zeit.
Zurückgekehrt
bin ich kaum
merklich älter.

27.1.09

Melodie

Ich erkläre mir, auf welche Weise
das Unerklärliche die Reise
ins unentdeckte Innere bedingt,
wo unentwegt das Fremde in mir singt.

5.2.09

Polyglott

Jede andere Sprache
verringert die Vereinnahmung
des Geistes durch die eine,
erste Muttersprache.

Jede weitere Sprache
befreit die Welt
aus ihrer fälschlich vorher
angenommenen Eindeutigkeit.

Die Muttersprache
stellt fest.
Die anderen Sprachen
stellen die Welt

in die Frage,
in der sie tatsächlich
immer schon
steht.

20.2.09

Wildbret

Einst schickten wir den Bock
um Gottes willen in die Wüste.

Dann verjagten wir Gott
um einen Bock zu schießen.

24.2.09

Finale

Wenn man lernt,
wie man geschickt
das Ende verpasst,

dann beginnt
wie von selbst alles
wieder von neuem.

8.2.09