Griot

CD Cover Griot

Gernot Blume und Peter Epstein spielen Jazz-Kompositionen mit Klavier und Saxophon. Epstein besticht frei und virtuos mit warmen, flexiblen Saxophontönen. Blumes intensiver, ausdrucksstarker Klavierstil verbindet sich mit Epsteins Klangideal zu einem spannungsgeladenen Dialog.

Griot ist der Begriff für Musiker, die in eine West-afrikanische Familie von Geschichtenerzählern hineingeboren werden. Der Griot erinnert Geschichte durch Gesang und Dichtung. Als eine lebendige Bücherei, das Gewissen der Vergangenheit und Wegweiser in die Zukunft bewahrt der Griot die Schätze der gesammelten Erfahrungen seines Volkes.

Jazz, freie Improvisation, abendländisch zeitgenössische Musik, sowie die traditionelle Musik West-Afrikas, Indiens und Indonesiens sind in diesen Konzerten fließende Anhaltspunkte, die die Geschichte einer neuen Art von Griot wiederspiegeln: die eines Wanderers zwischen verschiedenen Welten.

Seit ihrer gemeinsamen Studienzeit am California Institute of the Arts (1988-1992) haben Gernot Blume und Peter Epstein zusammen gearbeitet. Aus dieser Kollaboration entstand die CD Griot, die Live-Aufnahme eines Konzertes mit den beiden Musikern in der bezaubernden Akustik der Agnes Flanagan Kapelle auf dem Campus des Lewis & Clark College in Portland, Oregon, USA vom 16.9.1999. Individuell verarbeitete multikulturelle und multistilistische Einflüsse gehören zum ästhetischen Grundprinzip der musikalischen Arbeit des Duos. 

Epstein begann seine Karriere 1984 in Portland, Oregon. Nach mehreren Lehrjahren mit regionalen Jazzgrössen zog er nach Los Angeles, um am California Institute of the Arts Jazz und verschiedene Weltmusikkulturen zu studieren. Nach seinem Diplom vom CalArts 1992 zog er nach Brooklyn, New York, wo er an über 30 CD-Aufnahmen teilnahm, und mit Musikern wie Peter Erskine, Scott Colley, Ralph Alessi, Michael Cain, Brad Shepik, Bobby Previte, und vielen anderen in über 20 Ländern konzertierte. Als Bandleader nahm er vier eigene CDs auf. Alle für den japanischen Plattenverlag MA Recordings. Er ist ein Gründungsmitglied der School for Improvisational Music in New York City und unterrichtet jeden Sommer auf dem Internationalen Treffen der Saxophonisten in Nova Goriça, Slowenien. Zur Zeit ist Peter Epstein Assistenzprofessor für Jazz Saxophon und Leiter der Jazz Abteilung an der Universität von Nevada in Reno.

Alle Kompositionen stammen aus der Feder von Gernot Blume.

Zu den Titeln:

Impersonal Realities
ist eine Homage an Keith Jarretts sogenanntes europäisches Quartett aus den siebziger Jahren. Dieses Ensemble mit dem Saxophonisten Jan Garbarek war für lange Zeit ein wichtiger Einfluß für mich.
Rain Falls From a Weary Sky
nun, ich lebte fünf Jahre in Portland, einer regenreichen Gegend im pazifischen Nordwesten der Vereinigten Staaten. Musikalisch steckt hier aber auch viel von Keith Jarrett und Chick Corea drin - den zwei Jazzpianisten, die mich schon vor meinen 15 Jahren in den USA stark beeindruckt hatten.
Griot
übersetzt die flüssigen Klangstrukturen der westafrikanischen Kora-Harfe auf das Klavier, und den islamisch geprägten Gesangsstil der Griots auf das Saxophon. Vielen Dank an die Inspiration von Baba Mal, Foday Muso Sosa, Youssou N’Dour und Malamini Jobarteh.
Archeology
meine persönliche Adaption des kompositorischen Stils des großen John Coltrane, beispielsweise in Giant Steps oder Moment’s Notice. Aber auch dies nicht ohne Entfremdung.
Inscription
Ornette Coleman sprach anläßlich meiner Graduationsfeier am CalArts, wo ihm die Ehrendoktorwürde verliehen wurde. Der Mensch und seine Musik führten zu dieser Komposition.
Exile
ein verwinkelter und launischer Blues.
Things Are Not What They Appear to be
die Dinge sind wirklich nicht was sie zu sein erscheinen: aus den brodelnden Klangbildern erheben sich wie schattenhafte Gespenster Anspielungen auf die amerikanische, deutsche, und französische Nationalhymne. Dazu tanzen kurz Mussorgskys Küken in ihren Eierschalen aus den Bildern einer Ausstellung und obendrein hat sich Thelonious Monk mit Straight No Chaser hierher verirrt: das ganze Dilemma meiner postmodern gebrochenen multikulturellen Identität ... nicht ohne Ironie.
Amiya
ist Amiya Dasgupta gewidmet, meinem langjährigen Freund und Guru der indischen Raga-Musik, der 1994 kurz vor einer geplanten Deutschlandtournee mit mir verstarb. Diese Komposition folgt gewissen Strukturen eines klassisch nordindischen Ragas, übersetzt für eine betont un-indische Instrumentierung. Mein Konzept der harmodalen Improvisation - Akkordstrukturen, die sich aus Kombinationen von Tönen der jeweils zugrunde liegenden Tonleiter ergeben, bildet die Basis der harmonischen Sprache dieser Indo-Jazz-Fusion.
Precipice
ist eine Art musikalischer Kubismus: gebrochene aber auch sich verzahnende Klangstrukturen mit Ecken und Kanten bringen den Spannungsbogen von „Griot” zum Abschluss.

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