Neue Lieder zu Gedichten von Heinrich Heine

Mit diesem literarischen Projekt spüren Blume und Spencer den Färbungen der Stimme im Stil von Balladen, Jazz, Kunstliedern, Folk, Kabarett und Theater nach, um dem scharfen Intellekt der sozialen und politischen Kritik Heinrich Heines und dem extrovertiert persönlichen Stil seiner autobiographisch verwurzelten Texte Ausdruck zu verleihen.

Heines Worte schwingen heute noch mit neuer und erstaunlich zeitloser Bedeutung weiter, jenseits der Barrieren von Staat, Kultur und Genre, da Heine selbst, wie die beiden Komponisten dieser Lieder, zwischen verschiedenen Welten lebte.

Das Projekt “Jetzt Wohin? - Heine Songs” erwuchs aus Anlass des 150. Todestages des großen deutschen Dichters im Jahre 2006. Die beiden Musiker und Komponisten Gernot Blume & Julie Spencer haben 17 Gedichte Heinrich Heines neu vertont.

Konzertreview

Dichterlieder - Heinrich Heine "Jetzt wohin?"

im Rheinsaal der Villa Sachsen, 26. Oktober 2007

von Egon Goldschmidt im November 2007

"Leise zieht durch mein Gemüt …" Auf Einladung des Stefan-George-Gymnasiums präsentierten in der Villa Sachsen Gernot Blume und Julie Spencer ihren Heine-Abend der ganz besonderen Art: "Jetzt Wohin?"

Zehntausend Vertonungen von Heine-Texten befinden sich schon jetzt im Archiv der Heine-Gesellschaft in Düsseldorf. Diesem beachtlichen Fundus hat nun das inzwischen auch über die Grenzen Bingens hinaus bekannte deutsch-amerikanische Musiker-Ehepaar Julie Spencer und Gernot Blume weitere beachtenswerte und keinesfalls überflüssige neue Vertonungen hinzugefügt.

Gernot Blume (Piano) und Julie Spencer (Gesang)Beim Konzert des Stefan-George-Gymnasiums konnte ein interessiertes und hochkonzentriertes Publikum im passenden Ambiente des schönen und nahezu ausverkauften Rheinsaales der Villa Sachsen erleben, dass es möglich ist, mit einfühlsamem Textverständnis und mit musikalischer Virtuosität die besondere Ausdrucksstärke und Aktualität von Heine-Gedichten auch 150 Jahre nach dem Tod des Dichters vom Rheine in anspruchsvoller und gleichsam berührender Weise zu vermitteln.

Spencer und Blume verstanden es hervorragend, die Spannweite Heinescher Dichtung nicht nur durch eine geschickt zusammengestellte Textauswahl, sondern vor allem auch durch die vielfältige Instrumentierung und gesanglich professionelle Umsetzung anschaulich hörbar und überzeugend zum Klingen zu bringen. Klavier, Gitarre, Percussion, Vibraphon und nicht zuletzt Harfe lieferten dabei eine abwechslungsreiche Palette instrumentaler Möglichkeiten beim gelungenen Versuch, dem so eigenen und auch widersprüchlichen Werk Heines Rechnung zu tragen.

Julie singt am Piano"Man weiß nicht so recht, ob Heine eher Romantiker oder Antiromantiker war, vielleicht aber war er beides zugleich", so Gernot Blume zwischen den musikalischen Darbietungen als Moderator in einer seiner hilfreichen Erläuterungen und Überleitungen, wodurch auch die pädagogische Ambition des Musiklehrers an der Hildegardisschule durchschimmerte, was den nicht wenigen jüngeren Zuhörern im Saale das Verständnis Heines erleichert haben dürfte.

In der Tat gelang es den Künstlern, mit ihren Kompositionen ein musikalisches Portrait Heines zu zeichnen, das seinem zwiespältigen Pendeln zwischen Romantik und Politideologie, zwischen Lebenslust und Leiden am Tod, zwischen Sensibilität und bitterer Ironie, ja zwischen Deutschland und Frankreich Rechnung trug.

Gernot Blume an der Harfe Als besonders hilfreich erwiesen sich dabei auch die beachtlichen und facettenreichen Stimmen der beiden Liedermacher/Komponisten. Passend zum  in Inhalt und Abfolge klar konzipierten Programm, das insgesamt 17 Vertonungen bot, schloss der Abend mit "Leise zieht durch mein Gemüt..." und "Fragen", die noch einmal die Vielfältigkeit Heinescher Diktion zwischen gesellschaftspolitischer Aufklärung und romantischer Einfühlsamkeit auf den Punkt zu bringen vermochten.

Und nach fast zweistündigem Programm glaubt man verstanden zu haben, wie die rationalen "Fragen" des "Jünglingmannes" ("Woher ist er gekommen? Wo geht er hin? Wer wohnt dort oben auf goldenen Sternen?") und die so behutsam hingehauchte Liebeserklärung "Wenn du eine Rose schaust, sag ich laß sie grüßen" bei Heine doch irgendwie zusammengehen und die Widersprüche sich dabei aufzulösen scheinen.

Und nicht wenigen Zuhörern mag noch auf dem Nachhauseweg nach einem wunderbaren Abend so manches der gehörten Lieder nachhallend leise durchs Gemüt gezogen sein, vielleicht auch ein wenig gepaart mit der "Zuversicht, dass wir Gott in der Liebe zwischen den Menschen, in ihren Küssen erfahren können und … in ihrer Kunst, in ihrer Musik", von der SGG-Schulleiter Reiner Oschewsky - noch sichtlich bewegt durch das Konzerterlebnis - am Ende in seiner sehr persönlichen Dankesrede an die beiden Künstler sprach.

Julie Spencer spricht Heine

Fotos: Nicole Meisinger